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Von Dreschen und Flegeln

Donnerstag, den 12. Juli 2007 von RealChemie

„Dreschen“ steht umgangssprachlich für „D’raufhauen“. Als „Flegel“ bezeichnet man umgangssprachlich ungehobelte, respektlose (meist männliche) Menschen mit schlechten Manieren und grobem Benehmen. Lesen Sie hier, was das mit Syngenta und deren Mitarbeitern in der Schweiz zu tun hat.

Das Ganze begann mit dieser Information: Ein Team von Studentinnen und Studenten der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft möchte Wissenswertes rund um den Getreideanbau in der Schweiz vermitteln. Hitziges Getreidedreschen, amüsante Quizfragen, packende Herausforderungen. In einer unterhaltsamen Show präsentieren sich unsere Politiker/innen einmal auf eine andere Art. Kommen sie am Freitag 27. Juli 07 zwischen 14.00 und 15.30 Uhr auf den oberen Waisenhausplatz in Bern und entscheiden sie mit, wer als Sieger aus diesem spannenden Wettkampf hervorgeht!

Das Parteiendreschen hat unserem Schweizer RealChemie-Team gut gefallen und wir haben uns gleich für diese Veranstaltung angemeldet. Die Details für unseren Informationsstand waren schnell geklärt. Wir freuten uns vor dem Hintergrund der andauernden Diskussionen von Parallelimporten schon auf Gespräche mit den als Kandidaten angemeldeten Politikern. Und wir wollten allen einmal mehr zeigen, dass wir parallel oder reimportierte Originalprodukte exakt nach den Buchstaben des Gesetzes verkaufen. Nur viel preiswerter, als die Chemie-Konzerne mit ihren üppigen Margen.
Doch dann kam alles anders. Nach anfänglich sehr freundlichem Umgangston zeigte unser Ansprechpartner aber bald schon immer mehr Zurückhaltung: Syngenta , einer der Hauptsponsoren, gefalle die Anwesenheit von RealChemie überhaupt nicht und der zuständige Mitarbeiter drohe mit dem Rückzug der Sponsorengelder. Unsere Gegenargumentation reichte zunächst, um solche feigen und hinterhältigen Machenschaften abzuwehren. Aber dann wurden die Organisatoren zu einer Blitzentscheidung gezwungen: Entweder man sage die Teilnahme von RealChemie ab und Syngenta übernehme den Sponsoringanteil von RealChemie oder Syngenta ziehe sich und alle Sponsoringgelder zurück.

Das hat uns einerseits überrascht, denn wer hätte gedacht, dass sich der Riesenkonzern Syngenta vor dem (noch) kleinen Wettbewerber RealChemie so sehr fürchtet! Klar, wir haben durch unsere Niedrigpreise Syngenta zu schmerzhaften Preisnachlässen gezwungen und bereits viele Kunden abgenommen. Aber dazu ist Wettbewerb doch da! Wir haben ebenso auch schon viel Geld ausgeben müssen, um die Meute von Syngenta-Rechtsanwälten und deren Flut von einstweiligen Anordnungen, Klagen und sonstigen rechtlichen Winkelzügen abzuwehren. Aber dazu sind Rechsstaaten schließlich da!

Was uns aber verärgert hat, ist diese hinterhältige Form von unlauterem Wettbewerb. Warum will Syngenta durch Erpressung den freien Handel unterdrücken? Oder um Schweizer Recht zu zitieren: Unlauter und widerrechtlich ist gemäss dem Grundsatz in Artikel 2 UWG, “jedes täuschende oder in anderer Weise gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstoßende Verhalten oder Geschäftsgebaren, welches das Verhältnis zwischen Mitbewerbern oder zwischen Anbietern und Abnehmern beeinflusst.“ Aber was nutzt es, nationale Gesetze zu zitieren, wenn der Chemie- und Pharmamulti ohnehin weltweite Regelverstöße ohne Skrupel als Geschäftspolitik praktiziert?

Beispiel Paraquat: Dieses von Syngenta produzierte Pestizid (Markenname: Gramoxone) ist in vielen Europäischen Ländern verboten, stark in der Anwendung eingeschränkt oder es gibt es spezielle Vorschriften zur Verwendung dieses Produktes. Trotz dieser Bedenken hat Syngenta Paraquat, das jährlich zu tausenden von Vergiftungsfällen führte in asiatischen Ländern mit aggressiven Werbekampagnen vermarktet und nach Meinung von Experten den FAO-Verhaltenskodex gleich mehrfach verletzt (FAO = Food and Agriculture Organization der UNO). So wurden die Käufer von Gramoxone in Costa Rica mit einem Wettbewerb angelockt, bei welchem man rund 1´000 US$ an „Inputs“ gewinnen konnte. Solche Kampagnen gehörten bei Syngenta zum Standard. In Deutschland wurden Traktoren für 100´000 Euro verlost, in Thailand Geländewagen und Motorräder. Syngenta hat damit gegen Artikel 11.2.18 des FAO-Kodex verstoßen, der vorschreibt, dass die Pestizid-Werbung keine unangebrachten Anreize oder Geschenke beinhalten soll, die zum Kauf von Pestiziden ermuntern.

Beispiel Giftmüll: Greenpeace-Aktivisten haben Anfang 2005 bei der Elsässer Chemiemülldeponie Le Letten offen herumliegenden Giftmüll sichergestellt. Skandalös war dabei: Die Chemiekonzerne Novartis und Ciba, die später zur Syngenta fusionierten, und Syngenta sowie die französische Behörde DRIRE wussten seit Jahren von diesem unter freiem Himmel liegenden Giftmüll, stritten aber jegliche Verantwortung ab.
Matthias Wüthrich, Chemie-Experte von Greenpeace, meinte dazu: „Novartis & Co haben innert wenigen Monaten für eine Serie von Skandalen gesorgt. Nach dem untauglichen Sanierungsprojekt für Bonfol, dem Neuwiller-Räumungsbefehl für Roemisloch und der Trinkwassergefährdung in Muttenz ist es jetzt der vierte Vorfall. Die vier Skandale zeigen: Novartis & Co. arbeiten schlampig und verharmlosen die Gefahren.“ Weitere Beispiele für skrupellose Geschäftspolitik gibt es noch viele, aber das würden den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

Also, liebe Schweizer Politiker, Händler und Anwender von Pflanzenschutzmitteln, wir freuen uns darauf, diese „Flegel“ zukünftig im offenen Kampf der Marktwirtschaft zu „dreschen“, wo immer sich uns eine Gelegenheit dazu bietet. Wenn Sie uns dabei helfen wollen, freuen wir uns auf Ihre Kommentare!

Ihr RealChemie-Team