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Die Agro-Mafia und ihre spezielle Ethik

Mittwoch, den 5. September 2007 von RealChemie

Am 17. Dezember 1988 berichten die Forscher Dr. Guido Ebner und Heinz Schürch in der Schweizer TV-Sendung „Supertreffer“ von einem wissenschaftlichen Meisterstück. Als ersten Forschern weltweit ist es ihnen gelungen, uralte pilzartige Organismen aus über 200 Millionen Jahren alten Salzkristallen zu isolieren. Dabei machten sie eine atemberaubende Entdeckung: in „normaler“ Nährstofflösung taten die Bakterien, was Bakterien immer tun, sie vermehrten sich. Wurde die Nährstofflösung während der Vermehrungsphase jedoch einem Elektrofeld ausgesetzt, so verfärbte sich die Flüssigkeit blutrot. Die Bakterien hatten ihr uraltes „Energiesystem“ eingeschaltet und produzierten das Pigment Rhodopsin, um für ihren Fotosynthese-Prozess Sonnenenergie zu tanken.

In weiteren Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass man mit Elektrofeldern offenbar uralte Gene „einschalten“ kann. Es gelang ihnen, ein Hirschzungenfarn zu züchten, wie es vor Jahrmillionen gewachsen ist. Mit ähnlichem Erfolg haben die Ciba-Wissenschaftler Experimente mit Weizen und Mais durchgeführt und eine Art Ur-Mais gezüchtet, wie er in der freien Wildnis in Europa längst ausgestorben ist. Ur-Weizen bildete nach dieser Behandlung neue Eiweiße aus, die man im ursprünglichen Weizen vergeblich suchte. Er produzierte weiterhin viel größere Wurzeln und wuchs so schnell, dass er in nur vier Wochen das Stadium erreichte, das „normaler“ Weizen erst nach sieben Wochen zeigte. Halm und Ähren waren zwar kleiner, dafür aber trug die Pflanze mehr Ähren. Der eigentliche Vorteil aber war, dass man den „Turbo-Weizen“ in Gegenden mit kurzem Frühjahr und Sommer anbauen konnte, wo herkömmlicher Weizen gar nicht wachsen kann. Auch bei Fischen funktionierte der „Ciba-Effekt“ ebenfalls: Forellen entwickelten sich zu einer Urform zurück, die bereits vor über 150 Jahren ausgestorben war. Die behandelten Fische waren gut ein Drittel größer, viel kräftiger und farbiger als ihre unbehandelten Artgenossen.

Die Wissenschaftler begannen 1992 mit einer Filmdokumentation ihrer Entdeckungen. Sie wollten zeigen, wie man ihre Forschungsergebnisse zum Nutzen der Menschheit einsetzen kann. Nach nur einem Drehtag aber kam völlig überraschend das Aus: der Ciba-Konzern entzog ihnen die Dreherlaubnis! Zusätzlich wurden alle vielversprechenden Versuchsreihen für Außenstehende völlig unverständlich ohne jede Vorankündigung eingestellt. In einer offiziellen Erklärung hieß es, die Forschungen der beiden Wissenschaftler ließen sich nicht mehr einem der Schwerpunktforschungsgebiete des Ciba-Konzerns zuordnen.

Was war hier geschehen? Viele Experten hatten sich schon früh gewundert, dass die beiden Wissenschaftler ihre revolutionären Forschungsergebnisse nicht in der üblichen wissenschaftlichen Form publizierten. Offenbar lagen die Gründe in der Anstellung der beiden im Ciba-Konzern, dessen Interessen offenbar mit den wissenschaftlichen Interessen kollidierten. Denn die von Wissenschaftlern gezüchteten Ur-Pflanzen waren weitaus resistenter gegen Krankheiten und Schädlinge und benötigten fast überhaupt keine Pflanzenschutzmittel. Damit hätte sich die Pflanzenschutzsparte dann wohl in’s eigene Fleisch geschnitten!

Sicher ist, dass die Versuche manchen Managern nicht in ihre Pläne passten und irgendwie nicht geheuer waren. Spekulationen deuten auch auf eine entsprechende Einflussnahme durch den Sandoz-Konzern hin, der später nach langen und geheimen Vorverhandlungen für die Fachwelt völlig überraschend mit Ciba fusionierte.

Eine Lösung des globalen Ernährungsproblems durch „Ur-Getreide“? Höhere Mais- und Weizenerträge und größere Forellen ganz ohne Gentechnik und fast ohne Pflanzenschutzmittel? Für westliche Chemieriesen, die sich immer stärkere Monopolstellungen im Saatgutmarkt verschaffen, eine Horrorvision. Denn deren Ziel ist nun einmal die Abhängigkeit der Landwirtschaft von den eigenen Produkten. Gentechnisch manipuliertes Saatgut, das nur mit den eigenen Pflanzenschutz- und Düngemitteln gedeiht, das alleine bringt der Agro-Mafia die Profite. Während die Patentschriften und Veröffentlichungen von Guido Ebner und Heinz Schürch im Europäischen Patentamt und den heutigen Syngenta-Archiven (Ciba und Sandoz wurden später zur Syngenta AG fusioniert) verstauben, werden die Patente für genmanipuliertes Saatgut möglichst weltweit angemeldet und mit Brachialgewalt durchgesetzt. „Erfolgsmeldungen“ liest man heute nicht von „Ur-Weizen“, sondern von „Terminator-Saatgut“, einem modernen Wahnsinn aus dem Gentechniklabor, der Saatgut, natürlich weltweit patentiert, durch ein eingeschleustes „Killer-Gen“ solange gezielt unfruchtbar macht, bis das „Killer-Gen“ durch eine Chemikalie, natürlich auch weltweit patentiert, gezielt ausgeschaltet wird.

Und wenn jetzt wieder ein Winkeladvokat der Agro-Mafia überlegt, wie man uns wieder einmal verklagen könnte: Die ganze Story mit noch weitaus übleren Details zur speziellen Ethik der Agro-Multis können Sie nachlesen im Buch von Luc Bürgin „Der Urzeit-Code“, das gerade im Herbig Verlag erschienen ist oder auf den Internetseiten www.urzeit-code.com.

Ihr RealChemie-Team

Heute schon geforscht?

Mittwoch, den 18. Juli 2007 von RealChemie

Immer, wenn Kritik an den hohen Preisen für Pflanzenschutzmittel laut wird, dann beten die Propagandisten der Chemiekonzerne ein Standardrepertoire an Gegenargumenten herunter, das zumeist von „Wir haben hohe Ausgaben für die Forschung und Entwicklung!“ angeführt wird.

Was aber wird denn da eigentlich genau geforscht und entwickelt? Sucht man einmal genauer nach den innovativen Meilensteinen der Chemie-Industrie, dann findet man zwar viele Forschungsergebnisse und Neuheiten im den Pharma-Geschäftsbereichen, aber im Pflanzenschutz? Da sieht es eher so aus, dass die Chemie-Konzerne seit Jahren akute Probleme wie Feuerbrand einfach vernachlässigen. Feuerbrand ist eine bakterielle Erkrankung, die in den letzten Jahren in der freien Natur, im Obst-, Zierpflanzenbau, Baumschulwesen und Forst große ökologische und ökonomische Schäden angerichtet hat. Der Erreger wurde bereits 1959 entdeckt und hat sich seither weltweit verbreitet. Jedes Jahr müssen immense Baumbestände abgeholzt und verbrannt werden, weil alle angebliche Forschung und Entwicklung bisher kein wirksames Pflanzenschutzmittel zustande gebracht hat.

Statt einem wirksamen Produkt reicht die gesamte teure Forschungs- und Entwicklungskapazität bisher nur für Empfehlungen der Pharmaspezialisten der Chemie-Konzerne, man möge doch ein Antibiotikum aus der Humanmedizin einsetzen! Das aber wird, wenn es denn überhaupt genehmigt wird, auf die Blüten der Bäume gespritzt, dort von den Bienen aufgenommen und verursacht so für den Menschen äußerst riskante Antibiotika-Rückstände im Honig. Ist das Innovation durch teure Forschung? Dr. Bernward Garthoff, BAYER-Vorstandsmitglied, hat dies seinerzeit in einem Interview in „Basics“ von McKinsey beantwortet und auf den Punkt gebracht:

„BASICS: Sie haben in Ihrer Zeit bei Bayer sowohl das Pharma- als auch das Pflanzenschutzgeschäft sehr genau kennen gelernt. Zwei Geschäfte also, in denen Innovation ein Kernprozess ist. Welche Unterschiede in Bezug auf Innovation bestehen zwischen den beiden Bereichen?
Dr. Garthoff: Vom Geschäftssystem her sind beide Bereiche sehr ähnlich. Die Märkte unterscheiden sich aber ganz erheblich. Und auch der Anstoß für Innovationen ist ein anderer. Im Pharmabereich ist das Universum der noch zu therapierenden Krankheiten zumindest theoretisch unbegrenzt. Beim Pflanzenschutz hingegen spielen ungelöste Probleme keine so große Rolle mehr. Viele Lösungen sind bereits entwickelt, oft sogar in Form von Generika.“
Aha, ungelöste Probleme spielen im Pflanzenschutz also keine so große Rolle! Was mögen wohl die Obstbauern von einer solchen Einstellung halten, die ihre Existenz durch Feuerbrand verloren haben?
Und wenn alle Pflanzenschutzlösungen bereits entwickelt sind, dann sollen die Anwender mit den überhöhten Preisen wohl die üppigen Einkommen der Vorstände finanzieren?

Dass die Forschung und Entwicklung im Pflanzenschutz nahezu nicht existiert, zeigt ein Blick in die Grosshandels-Preislisten der letzten zehn Jahre. Hier finden sich in einem Jahrzehnt kaum neue Produkte, jedoch wurden die alten Pflanzenschutzmittel jedes Jahr immer teurer. Auch der „Pack-Trick“ ist gut erkennbar: alte Produkte werden neu formuliert und als „Produkt-Pack“ neu vermarktet. Alter Wein in neuen Schläuchen, sozusagen. Gab es früher zum Beispiel zwei getrennte Herbizide zur Anwendung in Rüben, nämlich Goltix mit Wirkstoff Metamitron und Ethomat 500 mit Wirkstoff Ethofumesat, so wurden diese später zu einem „neuen“ Kombipräparat Goltix plus zusammengemischt.

Ein anderes Beispiel liefert der Herbizid-Wirkstoff Glyphosat, der anfangs als Produkt Roundup verkauft wurde. Als die Verkaufspreise von Roundup in den Keller fielen, kam die „Neuentwicklung“ Roundup Ultra auf den Markt und später folgten „Diversifikationen“ im Produkt Roundup Ultramax. Diese Produkte und eine weitere Orgie von über 30 Herbiziden haben allesamt den Wirkstoff Glyphosat, wurden aber zumeist mit großem Tam-Tam als Produktneuheiten und Ergebnisse intensiver Forschung und Entwicklung angekündigt. Vergleicht man allerdings die Produkte im Chemielabor oder in der Außenanwendung, dann findet man keine wesentlichen Unterschiede. Also wieder Fehlanzeige bei Forschung und Entwicklung neuer Pflanzenschutzmittel. Die angeblich so hohen Kosten dienen wohl eher der Finanzierung eines über die Jahre angeschwollenen Wasserkopfes, der eigentlich überflüssig ist.

Wir von RealChemie haben jedenfalls keine Forschung und keinen Wasserkopf, der viel kostet, aber wenig leistet. Deshalb müssen wir nicht lange drum herum argumentieren, sondern können Ihnen gleich die besten Niedrigpreise für Originalprodukte anbieten.

Ihr RealChemie-Team