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Heute schon geforscht?

Mittwoch, den 18. Juli 2007 von RealChemie

Immer, wenn Kritik an den hohen Preisen für Pflanzenschutzmittel laut wird, dann beten die Propagandisten der Chemiekonzerne ein Standardrepertoire an Gegenargumenten herunter, das zumeist von „Wir haben hohe Ausgaben für die Forschung und Entwicklung!“ angeführt wird.

Was aber wird denn da eigentlich genau geforscht und entwickelt? Sucht man einmal genauer nach den innovativen Meilensteinen der Chemie-Industrie, dann findet man zwar viele Forschungsergebnisse und Neuheiten im den Pharma-Geschäftsbereichen, aber im Pflanzenschutz? Da sieht es eher so aus, dass die Chemie-Konzerne seit Jahren akute Probleme wie Feuerbrand einfach vernachlässigen. Feuerbrand ist eine bakterielle Erkrankung, die in den letzten Jahren in der freien Natur, im Obst-, Zierpflanzenbau, Baumschulwesen und Forst große ökologische und ökonomische Schäden angerichtet hat. Der Erreger wurde bereits 1959 entdeckt und hat sich seither weltweit verbreitet. Jedes Jahr müssen immense Baumbestände abgeholzt und verbrannt werden, weil alle angebliche Forschung und Entwicklung bisher kein wirksames Pflanzenschutzmittel zustande gebracht hat.

Statt einem wirksamen Produkt reicht die gesamte teure Forschungs- und Entwicklungskapazität bisher nur für Empfehlungen der Pharmaspezialisten der Chemie-Konzerne, man möge doch ein Antibiotikum aus der Humanmedizin einsetzen! Das aber wird, wenn es denn überhaupt genehmigt wird, auf die Blüten der Bäume gespritzt, dort von den Bienen aufgenommen und verursacht so für den Menschen äußerst riskante Antibiotika-Rückstände im Honig. Ist das Innovation durch teure Forschung? Dr. Bernward Garthoff, BAYER-Vorstandsmitglied, hat dies seinerzeit in einem Interview in „Basics“ von McKinsey beantwortet und auf den Punkt gebracht:

„BASICS: Sie haben in Ihrer Zeit bei Bayer sowohl das Pharma- als auch das Pflanzenschutzgeschäft sehr genau kennen gelernt. Zwei Geschäfte also, in denen Innovation ein Kernprozess ist. Welche Unterschiede in Bezug auf Innovation bestehen zwischen den beiden Bereichen?
Dr. Garthoff: Vom Geschäftssystem her sind beide Bereiche sehr ähnlich. Die Märkte unterscheiden sich aber ganz erheblich. Und auch der Anstoß für Innovationen ist ein anderer. Im Pharmabereich ist das Universum der noch zu therapierenden Krankheiten zumindest theoretisch unbegrenzt. Beim Pflanzenschutz hingegen spielen ungelöste Probleme keine so große Rolle mehr. Viele Lösungen sind bereits entwickelt, oft sogar in Form von Generika.“
Aha, ungelöste Probleme spielen im Pflanzenschutz also keine so große Rolle! Was mögen wohl die Obstbauern von einer solchen Einstellung halten, die ihre Existenz durch Feuerbrand verloren haben?
Und wenn alle Pflanzenschutzlösungen bereits entwickelt sind, dann sollen die Anwender mit den überhöhten Preisen wohl die üppigen Einkommen der Vorstände finanzieren?

Dass die Forschung und Entwicklung im Pflanzenschutz nahezu nicht existiert, zeigt ein Blick in die Grosshandels-Preislisten der letzten zehn Jahre. Hier finden sich in einem Jahrzehnt kaum neue Produkte, jedoch wurden die alten Pflanzenschutzmittel jedes Jahr immer teurer. Auch der „Pack-Trick“ ist gut erkennbar: alte Produkte werden neu formuliert und als „Produkt-Pack“ neu vermarktet. Alter Wein in neuen Schläuchen, sozusagen. Gab es früher zum Beispiel zwei getrennte Herbizide zur Anwendung in Rüben, nämlich Goltix mit Wirkstoff Metamitron und Ethomat 500 mit Wirkstoff Ethofumesat, so wurden diese später zu einem „neuen“ Kombipräparat Goltix plus zusammengemischt.

Ein anderes Beispiel liefert der Herbizid-Wirkstoff Glyphosat, der anfangs als Produkt Roundup verkauft wurde. Als die Verkaufspreise von Roundup in den Keller fielen, kam die „Neuentwicklung“ Roundup Ultra auf den Markt und später folgten „Diversifikationen“ im Produkt Roundup Ultramax. Diese Produkte und eine weitere Orgie von über 30 Herbiziden haben allesamt den Wirkstoff Glyphosat, wurden aber zumeist mit großem Tam-Tam als Produktneuheiten und Ergebnisse intensiver Forschung und Entwicklung angekündigt. Vergleicht man allerdings die Produkte im Chemielabor oder in der Außenanwendung, dann findet man keine wesentlichen Unterschiede. Also wieder Fehlanzeige bei Forschung und Entwicklung neuer Pflanzenschutzmittel. Die angeblich so hohen Kosten dienen wohl eher der Finanzierung eines über die Jahre angeschwollenen Wasserkopfes, der eigentlich überflüssig ist.

Wir von RealChemie haben jedenfalls keine Forschung und keinen Wasserkopf, der viel kostet, aber wenig leistet. Deshalb müssen wir nicht lange drum herum argumentieren, sondern können Ihnen gleich die besten Niedrigpreise für Originalprodukte anbieten.

Ihr RealChemie-Team