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Marktbefriedung

Mittwoch, den 25. Juli 2007 von RealChemie

Was im Vorstandsjargon „Marktbefriedung“ heißt und in den Geschäftsberichten nach außen vornehm „Konsolidierung“ genannt wird, umschreibt die Machenschaften der Chemiebosse, den Markt untereinander aufzuteilen und unliebsame Wettbewerber rigoros aus dem Markt zu drängen.

Der Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel wird für 2006 auf einen Wert von 24,6 Milliarden Euro geschätzt. Vor zehn Jahren teilten sich diesen Markt etwa ein Dutzend Großunternehmen. Heute wird dieser Markt mehrheitlich von nur noch sechs multinationalen Konzernen beherrscht, die sich rund 90% des Umsatzes teilen: Syngenta, Bayer, Monsanto, DuPont, BASF und Dow. Innerhalb dieser zehn Jahre hat etwas stattgefunden, was die Vorstände in Ihrem Jargon „Marktbefriedung“ nennen.

In der Maßnahmenskala ganz oben steht hierbei die Preispolitik oder eher Hochpreispolitik. Alle gehen davon aus, dass die Verkaufspreise so hoch wie irgend möglich festgesetzt werden. Jeder, der bei den stillschweigenden oder unmittelbaren Preisabstimmungen aus der Reihe tanzt und „Unfrieden“ stiftet, riskiert Ärger mit der Streitmacht der Konzerne, den Rechtsanwälten. Die suchen und finden auf Anforderung das kleinste Haar in der Suppe und treten bei Bedarf eine regelrechte Lawine von Abmahnungen, einstweiligen Anordnungen, Klagen oder sonstigen Winkelzügen los. Wie zahlreiche Kartellstrafen gezeigt haben, schrecken die Marktführer dabei auch nicht vor illegaler „Befriedung“ von Konkurrenz zurück und haben bei den wenigen Fällen, die publik wurden, Bußgelder in Millionenhöhe zahlen müssen.

Dem unerfahrenen Händler oder Anwender bleiben solche „Preisabstimmungen“ zumeist verborgen, weil sich auf den ersten Blick die Preise der unterschiedlichen Mittel infolge unterschiedlicher Gebinde und unterschiedlicher Wirkstoffmengen deutlich unterscheiden. Nimmt man sich aber als Berechnungsgrundlage eine Grosshandelspreisliste zur Hand und berechnet für eine Anwendungsgruppe wie etwa Gräserherbizide die Preise für den Verbrauch pro Hektar, so sind die Preise aller Anbieter fast immer identisch: Feinchemie Schwebda bietet “Agil” zu einem Preis von 21,29 € pro ha an, bei der BASF kostet “Focus Ultra” genau 21,00 € / ha. Für das “Fusilade Max” von Syngenta bezahlt der Kunde 20,80 €/ ha, wohingegen “Gallant” von Dow AgroSciences mit 21,55 € pro Hektar zu Buche schlägt. Und Bayer CropSciences verkauft sein “Targa Super” für 22,40 €/ ha.

Unter „Marktbefriedung“ fallen ebenso auch alle Maßnahmen, unruhige Wettbewerber mit mehr oder weniger starkem Zwang zu „beruhigen“. Die Chemiekonzerne sind bei dieser „Marktbefriedung“ schier unersättlich und schlucken alles an Unternehmen und Arbeitskräften, was irgendwie dem Wachstum von Marktmacht und Profiten dient. Diesen Vorgang nennt man nach außen „Konsolidierungsprozess“. Eine vornehme Umschreibung der Strategien zur Erlangung absoluter Marktmacht, hinter der sich viele Vorwürfe dunkler Machenschaften verbergen. Beispielsweise werden aus Chemiekonzernen dann über den Umweg der Biotechnologie und der Gentechnik plötzlich Nahrungsmittelkonzerne. Experten warnen weltweit davor, dass sich eine Handvoll Chemiekonzerne so die Verfügungsgewalt über die Mehrzahl der Nahrungsmittelreserven verschafft. Nicht umsonst erhebt Greenpeace schwere Vorwürfe gegen Syngenta, dass Genmais große Gefahren für Mensch und Tier berge. Was die Pflanzeningenieure da entwickelt haben, dient weniger dem Wohl der Menschheit, als eher den eigenen Profiten. Denn die genmanipulierten Pflanzen ertragen insbesondere die konzerneigenen Pflanzenschutzmittel. Die Kombination des Verkaufs von genmanipulierten Saatgut mit den passenden Pflanzenschutzmitteln ist eine äußerst profitable und insbesondere neue Einnahmequelle.

Am Beispiel des multinationalen Konzerns Syngenta kann man die „Marktbefriedung“ unschwer nachvollziehen. Stritten sich jahrelang die Konkurrenten Novartis Agribusiness und AstraZeneca um Marktanteile, so fusionierten dies im Jahr 2000 zur Syngenta. Die Novartis-Fusion wiederum beendete Ende 1996 den Wettbewerb zwischen Ciba-Geigy und Sandoz, während die AstraZeneca-Fusion den Wettbewerb zwischen Astra AB und der britischen Zeneca Group im Jahre 1999 „befriedete“. In nur wenigen Jahren sind so die in jeder freien Marktwirtschaft gewünschten Auseinandersetzungen früherer Wettbewerber „befriedet“ und zur heutigen Marktmacht der Syngenta „konsolidiert“ worden.

„Marktbefriedung“ für die Konzerne bedeutet für Sie als Händler oder Anwender von Pflanzenschutzmitteln den Verlust von Wettbewerb und dementsprechend teure Produkte, hohe Preise und ständig steigende Kosten. Bei RealChemie finden Sie genau das Gegenteil; wir lassen uns nicht „befrieden“, bieten Ihnen Originalprodukte zu Niedrigpreisen, wodurch Sie Ihre Kosten um über 50% senken können!

Ihr RealChemie-Team