Wo beginnt Missbrauch von Marktmacht?

Importeure von Pflanzenschutzmitteln wie RealChemie müssen im Tagesgeschäft einiges aushalten. Denn sie stehen der Marktmacht der Chemiekonzerne im Wege und brechen durch Niedrigpreise in deren angestammte Reviere ein. Aber auch Händler von Pflanzenschutzmitteln und deren Mitarbeiter müssen sich von den Chemiekonzernen viel gefallen lassen, speziell, wenn sie von RealChemie parallel importierte Produkten verkaufen. Da stellt sich irgendwann die Frage, ob es wirklich richtig ist, die Marktmacht der Chemiekonzerne und deren Diktat von Preisen und Konditionen so widerspruchslos zu erdulden, wie dies bisher geschieht.

Die Vertriebswege der Pflanzenschutzmittel-Hersteller funktionieren seit Jahren nach diesem Muster: Der Pflanzenschutzmittel-Händler ist Distributionspartner der Pflanzenschutzmittel-Hersteller und kauft die Produkte der Chemiekonzerne auf der Basis der Verkaufspreislisten abzüglich einem Händlerrabatt. Die Verkaufspreislisten haben allgemein recht hohe Preise, wohingegen die Händlerrabatte recht mager ausfallen. Von der recht knappen Handelsspanne muss der PSM-Händler seine Kosten decken und die Vorgaben der PSM-Hersteller erfüllen. Letztere gibt es in zwei Versionen: die schriftlich fixierten Konditionen und die unausgesprochenen Leitlinien für Linientreue. Die bedingungslose Linientreue wird am Jahresende in einem sog. „Jahresendgespräch“ beurteilt und gemessen. Hat der PSM-Händler die Prüfung bestanden, dann bekommt er einen Bonus-Scheck, so in etwa 0,5 - 2% vom Jahresumsatz. Ein erklecklicher Betrag, woraus der PSM-Händler i.d.R. seine Vorausinvestitionen amortisieren und bei guter Führung einen kleinen Gewinn realisieren kann.

Seit RealChemie auf den Markt gekommen ist und als Discounter Pflanzenschutzmittel zu fairen Nettopreisen anbietet, werden diese Vertriebswege empfindlich gestört. RealChemie hat keine vieldeutigen Händler-Verträge, keine komplizierten Händler-Rabattsysteme, keine zwangsverordneten Konditionen, keine marktbehindernden Leitlinien, keine Jahresendgespräche, sondern bietet ganz einfach die überteuerten Original-Pflanzenschutzmittel zu Niedrigpreisen an. Also ein attraktives Angebot für Händler, ihre magere Handelsspannen etwas aufzubessern. Doch Vorsicht! Der unbedarfte Laie darf sich diese Situation so vorstellen, als würde ein mutiges Männlein in ein Haifischbecken springen und dabei jedem Killerhai gleich kräftig in den Schwanz beissen. Denn die Chemie-Multis reagieren auf Niedrigpreise genau wie die Haie: sie beißen um sich. Sinnbildlich.

So ergeht zum Beispiel an jeden PSM-Händler die Botschaft, dass der Verkauf von Produkten, die von RealChemie parallel importiert wurden, absolut unerwünscht sei. Das ist dann die Leitlinie. Bei Verstössen gegen diese „Linientreue“ wird dann schon einmal der Scheck am Jahresende gekürzt oder ganz gestrichen. Ebenso liefern die „Pflanzenschutzberater“ der PSM-Industrie beispielsweise, wie als Beispiel beigefügt, Berichte mit dem Hinweis „Strictly Confidential“ (englisch: Streng Vertraulich), worin das allmächtige Syngenta-Labor in England RealChemie-Produkte hinsichtlich Produktfälschung untersucht. Wichtig ist der Vermerk „Streng Vertraulich“, denn das hält davon ab, sich durch einen Blick auf die offizielle Zulassung des angeblich gefälschten Produktes davon zu überzeugen, dass dieses nicht gefälscht sein kann, denn sonst wäre es nicht zugelassen! Diese Prüfung aber findet nicht statt, weil genau dies das Ziel solcher Propaganda ist: den PSM-Händler erschrecken, ihm einen bösen Verdacht gegen den ungeliebten Konkurrenten in’s Hirn pflanzen und ganz generell Marktallmacht demonstrieren. Der PSM-Händler traut sich danach nicht mehr, nachzufragen, ob denn dies auch alles stimmt, akzeptiert stillschweigend diese Manipulation seiner Persönlichkeit und den ganzen Rattenschwanz hintendran. Wer es übrigens noch nicht weiß: RealChemie wurde noch nie wegen einer Produktfälschung verurteilt. Wir haben aber bisher alle die, die dies öffentlich behauptet haben, zur Rechenschaft gezogen und werden dies auch in Zukunft tun.

Damit aber noch nicht genug. Einkäufern großer PSM-Händler werden mittlerweile ganz offen Repressalien angedroht, wenn sie es wagen sollten, mit reimportierter Ware zu handeln. Die Krönung im Missbrauch von Marktmacht ist das erzwungene Einfügen von Klauseln im Arbeitsvertrag, dass von RealChemie angebotene Produkte nicht eingekauft werden dürfen. Die Missachtung wird mit fristloser Kündigung bedroht.

Haben Sie Ähnliches erlebt oder brauchen Sie Hilfe gegen solche Machenschaften? Sie können sich vertraulich an uns wenden oder ganz einfach Ihren Kommentar dazu abgeben.

Ihr RealChemie-Team

Eine Reaktion zu “Wo beginnt Missbrauch von Marktmacht?”

  1. Juergen Frost

    Juergen Frost 14, Jalan Songkit 1, Sentosa
    80150 Johor Bahru Malaysia
    Tel. (0060) 197 44 6240 23. Febr. 2008

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ihre Dokumentationen sind sehr aufschlussreich. Das System BRD sollte so gestaltet werden, dass nicht nur durch Zufall Aufklaerung erfahren wird, sondern man sollte versuchen eine Plattform finden um das ganze Volk zu erreichen.
    Vielleicht faellt uns ja etwas ein und wir kommunizieren und verbessern die gesellschaftliche Situation durch Aufklaerung auf breiter Front.

    Mit freundlichen Gruessen

    Juergen FRost

Einen Kommentar schreiben

Du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.