Landwirtschaftskammer: neutral, kompetent und kundenorientiert?

Eine Landwirtschaftskammer soll als Körperschaft des öffentlichen Rechts um das Wohl der Landwirtschaft und ihrer Beschäftigten bemüht sein. Das Motto „Wir betreuen, beraten und fördern“ ist Programm. Natürlich auch und gerade bei Veranstaltungen im Bereich Pflanzenschutz zur Beantwortung der Frage “Die gute fachliche Praxis, worauf hat der Landwirt zu achten?”

Mit diesem für Außenstehende recht merkwürdig klingenden Titel sind Grundsätze gemeint, die gemäß dem Pflanzenschutzgesetz im Umgang und der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln als „gute fachliche Praxis“ angewendet werden sollen. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat diese Grundsätze im Originaltext und in einer Broschüre veröffentlicht.
Wer je versucht hat, den Originaltext zu lesen und zu verstehen, dem wird schnell klar, warum Landwirtschaftskammern diese „gute fachliche Praxis“ und das daraus abgeleitete „korrekte bäuerliche Verhalten“ den Landwirten aus dem Amtschinesischen in Deutsche übersetzen und erläutern müssen.

Gerade Landwirte haben eigentlich ganz andere Sorgen, als mit Vorschriften für „korrektes bäuerliches Verhalten“ indoktriniert zu werden. Landwirte in der ganzen Welt interessiert eigentlich in erster Linie, landwirtschaftliche Produkte in bester Qualität zu erzeugen und dafür beste Preise zu erzielen. Landwirte haben aber auch gelernt, dass sie mit dieser Absicht ständig zwischen irgendwelche Parteien geraten, irgendwie immer mit einem Bein in irgendeiner Schlinge gefangen sind und deshalb an solchen Veranstaltungen teilnehmen müssen.

Die Pflanzenschutzberatung der Landwirtschaftskammer ist im staatlichen Auftrag und nach eigenem Bekunden neutral – kompetent – kundenorientiert. Das hatten wir natürlich genau so erwartet, als Mitglieder unseres RealChemie-Teams Anfang diesen Jahres voller Interesse an einer solchen Veranstaltung teilnahmen. Wir wollten einmal sehen und hören, wie die Mitarbeiter des Pflanzenschutzamtes dieses komplexe Thema aufbreiten und dem Publikum transportieren.

Den Anwesenden wurde von der Referentin mit vielen Folien und Overheadprojektionen sehr ausführlich erklärt, worauf es beim Pflanzenschutz ankommt. Ihre Hinweise, dass die Landwirte bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln aus Parallelimporten sehr vorsichtig sein müssten, machten uns hellhörig. War dies nicht eine mehrfach als sachlich falsch widerlegte Behauptung der Chemie-Industrie? Sollte es möglich sein, dass eine leitende Mitarbeiterin der Landwirtschaftskammer über die Richtigstellungen und die geltenden Gesetze zu Parallelimporten nicht informiert war?

„Das Problem bei diesen Parallelimporten ist oftmals die stoffliche Identität und das Vorhandensein von Fälschungen“, sagte sie, verwies auf die öffentlich zugängliche Liste der von der Behörde mit sog. PI-Nummern offiziell zugelassenen Produkte und begann eine Lobeshymne auf die im Pflanzenschutz forschende deutsche Industrie. Was wir anfänglich als zwar hinsichtlich der Neutralität kritikwürdigen Stil aber dennoch durchaus verständliche Meinungsäußerung betrachteten, entwickelte sich dann schnell in eine ganz andere Richtung. Sie zeigte „nun ein paar Fotos von der Firma Syngenta“ und erläuterte, das die forschende Industrie sehr allergisch gegen Parallelimporte sei. Ihre Ausführung „Hier ’mal ein Beispiel, was eine Produktfälschung angeht“, wurde von einer Reihe Folien begleitet, worauf u.a. neben „Copyright Fa. Syngenta“ zu lesen war „Beispiel für Produktfälschung“, und „Importeur: Realchemie B.V., Eindhoven“.

Das also verstand die liebe Frau Doktor des Agraringenieurwesens unter „neutral – kompetent – kundenorientiert“! Eine leitende Mitarbeiterin einer Landwirtschaftskammer praktiziert als Sprachrohr eines Chemie-Konzerns gezielt deren Desinformation! Eine Staatsdienerin, die zumindest fahrlässig, wenn nicht gar vorsätzlich die Unwahrheit sagt. Denn eigentlich hätte sie wissen und weitergeben müssen, dass ein parallel importiertes Produkt nicht alleine deshalb eine Fälschung ist, weil ein Konkurrent dies behauptet, dessen fast doppelt so teures Produkt sich seit dem Angebot des Parallelimports nicht mehr gut verkauft. Ihre Pflicht und konsequent wäre es außerdem gewesen, wenn sie als Vertreterin unseres Rechtstaates in Kenntnis dieses angeblichen Gesetzesverstoßes eine eigene Prüfung oder Rechtsverfolgungen initiiert hätte. Was natürlich mit viel Arbeit und immensem Papierkram und langwierigen Behördengängen verbunden gewesen wäre. Weshalb sie wohl darauf verzichtet und es vorgezogen hat, Vorverdautes nachzukauen?

Einen Irrtum oder einen einmaligen Ausrutscher hätten wir ja noch hingenommen, aber Frau Doktor hielt nicht inne und fuhr damit fort, weitere Realchemie-Produkte vor dem Publikum mit Syngenta-Vorlagen als Fälschungen zu bezeichnen. Zum Beispiel mit diesem Originaltext „Die Kollegen von der Syngenta, da lief das als Film, da war das noch eindrucksvoller. Hier sieht man aber jetzt vielleicht doch schon ’mal, hier vorne, das ist das Produkt, der Parallelimport oder was ein Parallelimport sein sollte, isses aber letztendlich nich’. Es ist ne Fälschung und hier ist das Syngenta-Mittel. Man sieht also schon, dass hier so’n bisschen was abgesetzt ist, der Wirkstoff hier unten hat sich abgesetzt und hat sich getrennt, diese beiden Komponenten. Hier das Syngenta-Mittel, das sieht also völlig anders aus.“

Die leitende Frau Doktor des Agraringenieurwesens der Landwirtschaftskammer lehrt somit den Landwirten als „gute fachliche Praxis“, dass Pflanzenschutzmittel in ungeschüttelten Behältern trotz behördlicher Zulassung gefälschte Parallelimporte von Realchemie sind, weil Kollegen von Syngenta das im Film und auf Folie so dokumentiert haben. Na denn! Ob das der Gesetzgeber und die Aufsichtsbehörde der Landwirtschaftskammern je so beabsichtigt haben?

Noch Fragen zu Neutralität, Kompetenz oder Kundenorientierung von Landwirtschaftskammern? Kommentare sind herzlich willkommen. Weitere Beispiele für Subjektivität, Inkompetenz und Eigennützigkeit von Körperschaften des öffentlichen Rechts natürlich auch!

Ihr RealChemie-Team

12 Reaktionen zu “Landwirtschaftskammer: neutral, kompetent und kundenorientiert?”

  1. Hans T.

    Habe mit großem Interesse Ihren Artikel gelesen.
    Über Jahrzehnte gab es im Pflanzenschutzgeschäft nur die Industrie auf der einen, dazwischen den Handel und die Landwirtschaft und auf der anderen Seite die Landwirtschaftskammern. Der einzig greifbare Partner und dies auch allein, war für die Kammer die Industrie. Das dies in vielen Fällen vielleicht über die kritische Dialogfähigkeit hinausging, ist Ihrem Artikel deutlich zu entnehmen.
    Die Kammern werden sich den neuen Gegebenheiten, d.h mehr Akteure im Pflanzenschutzgeschäft stellen müssen, d.h. es müssen offene Gespräche mit allen Beteiligten geführt werden.

    Der Gestzgeber hat durch die sog. “PI” Nummern eine klare und deutliche Regelung gesprochen und ich persönlich, wie wahrscheinlich viele andere haben damit die Sicherheit, den Bestimmungen und auch insbesondere “Cross- Compliance ” gerecht zuwerden.
    Von verschiedensten Martneteiligten wird oft in der Landwirschaft der Gedanke kolportiert: Seit vorsichtig bei RE - Importen, als auch bei Parallelimporten, möglicherweise ist da gar kein Wirkstoff drin.
    Dies hat m. E. nichts mehr mit Konkurrenz zu tun, sondern erfüllt neben anderen möglichern juristischen Tatbeständen auch den Fall der üblen Nachrede.
    Was sich im Humanpharma Bereich - auch politisch gewollt - im Generika Bereich etablierte, muss sich auch in der Landwirtschaft durchsetzen können.
    Konkurrenz muss sein, aber zu fairen Bedingungen und rückgreifend auf Ihren Artikel, auch die Behörden müssen gehalten sein, die Landwirtschaft umfassend und vor allem auch über Alternativen zu informieren, ansonsten wäre ihre Neutralität irgendwann doch sehr in Frage zu stellen.

  2. Anonymous

    Selbt wenn die inhaltliche Aussage dieses Beitrages zustimmen sollte, so muss ich doch den inakzeptablen Schreibstil bemängeln. Aussagen wie “die liebe Frau Doktor” “Papierkram” und “nachzukauen” senken das Niveau immens. Ein durchaus schlechtes Beispiel für ernstzunehmende Kritik. Zumindest jeder Leser mit einer höheren Ausbildung als Realschulabschluss wird Schwierigkeiten haben diesen Beitrag ernst zunehmen. Leider bleibt dadurch ein Eindruck hängen: Subjektivität, Inkompetenz und Eigennützigkeit-und zwar der Autoren. Schade!

  3. Anonymous

    Kritik ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Sich aber über das Niveau eines Beitrags zu beschweren und im gleichen Atemzug zu behaupten, das nur Abiturienten diese Schreibweise mißbilligen, Realschüler unkritisch sind und Volksschüler sowieso nicht lesen können, läßt mich an Ihrem Nivau zweifeln.

    Jemand, der trotz Volksschule ein Vermögen verdient hat

  4. Nikodemus

    …und welchen Wert hat anonyme Kitik für die Menschheit? Ist es nicht ein Ausdruck von Feigheit, wenn man seinen Namen nicht unter das setzt, was man kritisiert?

  5. Anonymous

    Bitte bitten SIe doch die Landwirtschaftkammern um eine Stellungsnahme. Das wäre doch im jedenfall interesssant.

    E.

  6. Peter Schmidt

    Wenn ich das richtig sehe, will auch die Realchemie ihre Produkte verkaufen - wie die anderen auch. Mag die Kritik an der Landwirtschaftskammer auch hier zutreffen - als Herausgeber eines landwirtschaftlichen Wetterdienstes hat das Chemie-Unternehmen auch nichts anderes gemacht, als Geld in Werbung zu stecken. Da versuchen alle kräftig Kasse zu machen - und wir bezahlen es. Oder steigen aus der Hochleistungslandwirtschaft aus und finden andere Wege, die geringere Menge besser und hochpreisiger zu verkaufen. Auch das geht - und dann brauch ich mich auch gar nicht mehr so sehr über die Chemie-Konzerne aufzuregen. Insofern, liebes Realchemie-Team, zeigt doch mal die guten Wege auf, mit weniger Chemie mehr Gewinn zu erwirtschaften. Geht auch!!
    Ich bin gespannt ….

  7. Anonymous

    Grundsätzlich finde ich mehr Konkurenz in diesem Bereich notwendig und gut. Aber von der Aussage bei einer Veranstaltung (die ich auch ziemlich unglücklich finde) auf die ganze Körperschaft zu schließen ist fraglich.

    “das nur Abiturienten diese Schreibweise mißbilligen, Realschüler unkritisch sind und Volksschüler sowieso nicht lesen können”
    habe ich nie behauptet. Hineininterpretieren und Worte im Mund umdrehen finde ich unfair. Mein Vater war auch auf der Volksschule, hätte aber im Gegensatz zu Ihnen (der trotz Volksschule ein Vermögen verdient hat) nur den tatsächlichen Inhalt des Textes gelesen. (Dort steht nichts weiter als “zumindest” der Rest ist Ihre Fehlinterpretation.
    @nikodemus. Feigheit NEIN. Nikodemus ist für mich genauso Anonym wie Anonymous.

  8. Nikodemus

    Nochmals an den lieben Anonymus von heute 11:41,

    zuerst wird der Schreibstil bemängelt, dann der Rückschluss von einer Aussage auf die Körperschaft. Ihre recht sprunghafte Abwehrhaltung lässt vermuten, dass Sie selbst zu dieser oder einer Körperschaft gehören (?).

    Das Lesen müssen Sie auch noch ein wenig üben: wenn eine leitende Mitarbeiterin aus der ersten Führungsebene solche Aussagen macht, die darauf beruhen, dass sie sich bei einem Industriekonzern Filme angesehen hat und ohne eigene Sachkenntnisse den “Kollegen” nach dem Mund redet, dann lässt dies sehr wohl Rückschlüsse auf diese Körperschaft zu! Dieses Verhalten ist NICHT neutral, NICHT kompetent und NICHT kundenorientiert.

    …und es bleibt dabei: “Anonymus” ist ein unangemeldeter Kommentator und in Ihrem Falle feige, weil Sie im Gegensatz zum mit allen Daten angemeldeten Kommentator Nikodemus Ihre Identität verheimlichen.

  9. Anonymous

    Welche Kammer/welches Bundesland?
    Was bedeutet hier leitend?

    Das wird aus dem Text ja leider nicht klar. (Ich kann nämlich lesen)

    @ nikodemus
    1. Nein ich gehöre nicht zu einer Körperschaft. Wieder nur Vermutung.
    Ich stelle auch keine Vermutungen über sie auf.
    2. Ihre Definition von feige ist lächerlich. Es gibt dutzend andere Gründe sich nicht überall anzumelden. Einer wäre zum Beispiel beleidigende Äußerungen von angemeldeten Mitgliedern.
    3. Sie sind für mich auch Anonym, alle Daten kann ich nicht sehen. Und ich habe kein Interesse daran das zu ändern. Mich stört das aber nicht, da wir in einem freien Land leben. Indem jeder seine Meinung sagen kann und entscheiden kann wo er sich anmeldet. Verheimlichen?! Sehr dramatisch!

  10. Landwirt (Korruptikus)?

    Das die Agrar-Chemie die Landwirtschaftskammern indirekt als Werbeträger für sich in Anspruch nehmen beobachte ich seit Jahren.
    Da werden LK Berater/Genossenschaften/Bauern/ Arbeitskreise etc. mit Bewirtungskosten, Reisekosten ,fetten Broschüren ,indirekten Provisionen, versteckt als Reisekosten etc. in doch wohl korrupter Weise agressiv beworben.
    Und der Witz ist? Keinen Bauern stört das. Die setzen sich bei frischgeschmiertem Schnittchen der Drücker/Beratungsveranstaltungen
    der Chemie auch an den Tisch. Wie warm und schön es dich da ist.

    Welche Konditionen ostdeutschen Ackerbaubetrieben gemacht werden ist schon interessant. Welche Werbebudges für Multiplikatoren ausgegeben wird ist noch interessanter. Ich zumindest werde meine Pflanzenschuzmittel
    weiter über einen großen Ackerbaubetrieb näche der Polnischen Grenze beziehen. Und die Schnittchen nehme ich natürlich auch !
    Wo sind die Einkaufsgemeinschaften die dem paroli bieten ?
    Ein Ackerbauer

  11. ein Bauer aus Ostholstein

    Das gerichtlich bestätigt Realchemieprodukte gefälscht waren, kann ja wohl nicht bestritten werden. Jeder Landwirt, der seine Prämie dafür aufs Spiel setzt, tut mir leid. Wenn er nur so seinen Betrieb retten kann, ist er ohnehin am Ende…
    Gruß aus Ostholstein

  12. RealChemie-Team

    Sehr geehrter Bauer aus Ostholstein,

    wenn Sie anonym solche falschen Behauptungen aufstellen, dann wäre es doch nur fair, wenn Sie:

    1. sich namentlich identifizieren! Dann könnten wir persönlich diskuttieren.

    2. das Aktenzeichen und das Gericht des Beschlusses benennen, auf den Sie Ihr Wissen stützen! Dann würden Sie solche falschen Behauptungen gar nicht erst aufstellen, denn es hat nie einen Gerichtsbeschluss gegen Realchemie wegen Produktfälschungen gegeben.

    3. die Quelle zu benennen, woher Sie dieses Wissen bezogen haben! Dann könnten wir alle die Neutralität und Kompetenz dieser Quelle besser einschätzen.

    Oder sollten Sie gar auch ein Besucher einer dieser Veranstaltungen gewesen sein, die wir in unserem Blog-Beitrag kritisiert haben und Sie stützen Ihre falschen Behauptung ebenfalls auf Hörensagen und bunte Bildchen? Dann sollten Sie mit Ihren Äußerungen zukünftig vorsichtiger sein und nicht Ihren eigenen Betrieb dem Risiko der immensen Kosten rechtlicher Sanktionen aussetzen.

    Ihr RealChemie-Team

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